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Neubau Migros Herisau

Kritische Argumente


Die Opposition ist sich einig: Mit der Überarbeitung sind Verbesserungen realisiert worden - allerdings nur partiell.
Der nachfolgende Text fasst Argumente zusammen:


FESTSTELLUNGEN

Brühlhof

  • Der Brühlhof ist ein wertvolles Kulturobjekt.
  • Der Brühlhof ist ein intaktes Kulturobjekt.
  • Der Mammutbaum ist ein gesunder, einzigartiger geschützter Baum

Zentrumsbau Migros

  • Mit ihrem Neubauprojekt geht die Migros weit über die die eigenen Raumbedürfnisse hinaus und setzt sich dabei über die heute bestehenden Rahmenbedingungen hinweg.
  • Das von der Migros definierte Raumprogramm lässt das Weiterbestehen des Kulturobjekts "Brühlhof" nicht zu.
  • Das Migros-Grossprojekt verschiebt das Ortszentrum unerwünscht nach Osten.

PROBLEMATISCHES

  • Eine Schutzentlassung des Brühlhofs wurde ohne Überprüfung der ortsbaulichen und architektonischen Qualität des Projekts vorzeitig in Aussicht gestellt.
  • Es wurde kein offener Projektwettbewerb durchgeführt. Die Migros Ostschweiz hat drei verschiedene regionale Architekturbüros zu einem Wettbewerb ("Studienauftrag") eingeladen und dabei die ortsbaulichen Rahmen- und Wettbewerbsbedingungen in Eigenregie formuliert. Problematisch dabei ist auch, dass der Gemeindebaumeister von Herisau als vollwertiges Mitglied in der Jury Einsitz nahm und damit seine Unabhängigkeit verloren hat.
  • Das gewählte Vorgehen wirft Fragen auf bezüglich rechtlicher Gleichbehandlung und der Rechtssicherheit. Was bedeutet "Unterschutzstellung" denn eigentlich? Kann man den Schutz nach Belieben wieder auflösen?

PROJEKTKRITIK

  • Das Migrosprojekt bezieht sich nur auf sich selbst, seine ortsbaulichen Bedingungen sind die Quartiergrenzen. Der Einbezug der Umgebung, die Einpassung in das Ortsbild und der Umgang mit den Schutzobjekten war kein Thema in den Wettbewerbsbedingungen. Es ist ein betrieblich optimiertes Renditeprojekt ohne Bezug zum Ort.

Dieser Kritikpunkt wurde mit der Überarbeitung - insbesondere durche den Einbau von Fenstern und die breitere Öffnung zur Oberdorfstrasse - teilweise verbessert.

  • Eine Bebauung muss einem nachvollziehbaren Muster folgen. Wichtigstes Kriterium ist der Massstab. Das Bauvolumen und dessen Gestaltung stehen im krassen Widerspruch zur Massstäblichkeit der Umgebung. Diese quartierfremde Grösse resultiert aus der sog. Mantelnutzung: Partnergeschäfte, Arztpraxen, Wohnungen.

Der gewählte Bebauungsmassstab sprengt nach wie vor die Masstäblichkeit der Umgebung. Das Bauvolumen wurde nur marginal verringert - an der Gestaltung wurde gearbeitet, es wurden dabei Verbesserungen erzielt.

  • Folge dieser Zusatznutzung sind weitere leere Ladengeschäfte im bisherigen Ortszentrum.

Die Befürchtung steht nach wie vor im Raum. Anderseits ist es auch möglich, dass das geplante Migros-Einkaufszentrum als "Dorfladen" wieder vermehrt Publikum ins Ortszentrum bringt und damit auch anderen Zentrumsbetrieben die Überlebenschancen verbessert. Welche Entwicklung sich durch die Realisierung des Migros-Projekts einstellen wird, ist nicht geklärt, d.h. man ist dieser Frage nicht weiter nachgegangen.

  • Ein ganzes Geviert wird unpassierbar. Durchblicke und Bezugspunkte fehlen.

Die Durchlässigkeit wurde durch die Überarbeitung rein optisch verbessert - das Geviert bleibt unpassierbar.

  • Eine „freundliche“ Geste von der Migros zur Umgebung ist nicht erkennbar.

Die Geste der Migros ist freundlicher geworden.

  • Die Migros-Fassade präsentiert sich sehr abstrakt, anonym, kalt und abweisend. Ein Industriebau mit anbiedernder Holzlamellenfassade - an der Ortsperipherie durchaus akzeptabel - im Zentrum jedoch am falschen Ort. Eine Shoppingcenter-Landschaft ohne Zentrums-Charme und Zentrumsbezug.

Die Gestaltung der Fassaden lässt nun deutlicher ein belebtes Gebäude erkennen. Verbindungen und Bezüge Innen / Aussen wurden verbessert.

  • Einzige nachvollziehbare Öffnungen sind Ein- und Ausgänge sowie die Warenanlieferung (allenfalls ein Fenster vom Restaurant zur Arthur-Schiess-Strasse).

Mit der Überarbeitung wurden Verbesserungen erzielt.

  • Geplant ist austauschbare Mainstream-Architektur ohne Raffinesse. Der Migros-Zentrumsbau ist ein wichtiges Gebäude für Herisau. Seine architektonische Qualität müsste überzeugen und die Verbundenheit zum Ort müsste ablesbar sein.

Auch nach der Überarbeitung ist der geplante Neubau kein architektonischer Wurf mit Raffinesse, kein "Leuchtturm" für das Zentrum von Herisau. Das überarbeitete Projekt kommt einfach freundlicher daher als sein Vorgänger: Durch die Überarbeitung hat es zwar Elemente eines Zentrumsbau erhalten, aber seine "Übergewichtigkeit" nicht abgelegt..

UNTERLASSUNGEN

  • Das Projekt setzt sich über die aktuell gültigen rechtlichen Rahmenbedingungen (Ortsbildschutzzone und Schutzobjekte) hinweg; es bietet für die Beseitigung der Schutzobjekte keinerlei Ersatz an, obwohl das Gesetz bei einer Schutzentlassung dies grundsätzlich fordert.
  • Man hat die Chance verpasst, eine Projektvariante mit allenfalls reduziertem Raumprogramm ausarbeiten zu lassen, welche den Fortbestand der Schutzobjekte (oder wenigstens eines Teiles davon) gewährleistet und den Anforderungen des Ortsbildschutzes Rechnung trägt. Erst dies hätte ein echtes Abwägen ermöglicht, so wie es das Gesetz fordert.
  • Eine aktuelle Studie zur Zentrumsentwicklung fehlt. Man vermisst eine städtebauliche Absicht und eine klare Vorstellung über die bauliche, wirtschaftliche und soziale Entwicklung im erweiterten Ortszentrum.
  • Die Auswirkungen dieses Grossprojektes auf die Entwicklung im Zentrum, aber auch in den angrenzenden Quartieren, wurden nicht untersucht.

FAZIT

Durch die Überarbeitung des Projekts haben vor allem die Aussenbeziehungen deutlich gewonnen und bei verschiedenen Details wurden Verbesserungen erzielt. Die Möglichkeiten sind aber wohl noch nicht ausgeschöpft. Die neue Variante ist noch nicht das innovative "Vorreiterprojekt" für Herisau, das eigentlich nötig wäre, um eine Schutzentlassung zu rechtfertigen. Ein Teil der Kritik wird nun aber milder ausfallen.

Zwei Hauptkritikpunkte konnte die Überarbeitung nicht einlösen:

1. An der breit kritisierten Masstäblichkeit wurde kaum etwas geändert. Der Eingriff ins Ortsbild ist nach wie vor sehr massiv, die geplanten Baukörper sind gewaltig. Der Massstab gegenüber der Umgebung stimmt im Bereich Kasernenstrasse / Arthur-Schiessstrasse bei genauem Hinsehen ganz klar nicht. Mit einer Anpassung der Massstäblichkeit würden auch die Chancen für die Umsetzung einer besseren Durchlässigkeit grösser.

2. Nach wie vor fallen diesem Projekt wertvolle Schutzobjekte zum Opfer und die Frage ist ungeklärt: Wie gehen wir um mit unseren Kulturdenkmälern? Darf man intakte, im öffentlichen Interesse geschützte Objekte durch ein Bauprojekt unwiderruflich eliminieren, ohne Alternativen geprüft zu haben, die ihren Weiterbestand ermöglichen?