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Neubau Migros Herisau

Stellungnahmen

Heinz Naef, Obmann Heimatschutz AR

Dass die Migros Genossenschaft den bestehenden Bau an zentraler Lage ersetzen will, ist verständlich. Aus Sicht des Heimatschutzes ist das zur Zeit bestehende Neubau-Projekt aus zwei Gründen zur Neubearbeitung zurückzuweisen:

1. Das Schutzobjekt Brühlhof darf als wertvoller Zeitzeuge nicht abgebrochen werden. Die Villa mit Park und Bäumen ist der Nachwelt zu erhalten und ihr Weiterbestand muss in einem Neubauprojekt berücksichtigt werden.
2. Das vorliegende Bauprojekt verlangt durch sein Volumen einen übermässigen, unverträglichen Eingriff ins Ortsbild. Es nimmt auch architektonisch keinerlei Rücksicht auf die Umgebung.
Ich hoffe auch auf eine Welle der Opposition aus der Herisauer Bevölkerung, welche die verantwortlichen Behörden überzeugt und bestärkt, das bestehende Projekt zurückzuweisen und eine ortsbildverträgliche Neubearbeitung unter Einbezug des Brühlhofs zu verlangen.

Heinz Naef, Obmann Heimatschutz AR



Köbi Gantenbein, Chefredaktor "Hochparterre" Zeitschrift für Architektur und Design

Kommentar zum Artikel "Das verscherbelte Tafelsilber" von René Hornung in Hochparterre Nr. 10 / Oktober 2011

HERISAU IST ÜBERALL
Scharfsinnig gedachte Pläne und anschauliche Modelle aus Holz, Papier und Karton standen neben Käsekessi und Alpaufzug-Bildern. Das war vor einem knappen Jahr im Appenzeller Volkskundemuseum in Stein, das uns vorführte, was die Zeitgenossen mit den Dörfern anstellen sollen. Sie sollen diese nicht zerstören, sondern entwickeln, Fantasie haben, geschickt Neu zu Alt setzen. An fünf Abenden wurde „Bauen im Dorf“ heftig diskutiert. In Herisau führt die Migros nun auf, dass es im realen Leben anders ist als im Museum.
Die Migros 0stschweiz handle wie jeder Investor. So spricht deren Baudirektor Martin Hitz. Ich will, darüber nicht weinen. Genässt noch von den Tränen der Architektur, die dieser Konzern landauf, landab der Baukultur beschert, will ich nur kurz darauf drängen, dass die Migros sehr wohl anders sein müsste als andere. In ihrer Geschichte, in ihrer Verfassung als Genossenschaft, in ihrer Bedeutung und in ihrem Selbstverständnis. Martin Hitz und die Seinen könnten sich bei der Baukultur, die mehr will als unmittelbare Bedürfnisse befriedigen und Profit scheffeln, auf ihren Übervater Duttweiler berufen und sie könnten guten Grundes einen AnteiI des Kulturprozentes einfordern für baukulturelle Sorgfalt. Er wäre ebenso gut angelegt wie in Klubschulkursen, die der Bevölkerung Architektur- und Kunstgeschichte und andere geschmacksbildende Verfertigungen beibringen. Aber eben - wir wollen dem Migros-Baudirektor keine Nachhilfe zumuten. Er hat auch recht: Die Spiesse sollen für Aldi und Lidl, für Post und Bahn und irgendwelche Investorengruppen gleich lang sein. In Herisau und überall.
In der Ausstellung „Bauen im Dorf“ war man sich einig: Die Dörfer brauchen gute Bauherren und gute Architekten. In Herisau lernen wir, dass das nur die halbe Wahrheit ist. Es braucht in erster Linie den politischen und planerischen Willen, damit Baukultur von guten Architekten und guten Investoren hergestellt werden kann.

Köbi Gantenbein